Meine Leidenschaft

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Wieso läufst du so viel? 
Wie kann man 2-3 Std laufen?
Ist das nicht langweilig?
Wie überwindest du deinen Schweinehund?
Wieso läufst du so oft?

Das sind einige der Fragen, die ich regelmäßig gestellt bekomme. Ein Fuß vor den anderen setzen 60min lang oder auch mehr .
Verschwitzt,  glücklich und zufrieden  wieder zuhause ankommen und sich wie neu geboren fühlen, meistens zumindest!  Für mich ist  Laufen viel mehr als nur ein Sport. Es ist zu etwas geworden, was ich Jahre lang gesucht und einfach nie gefunden habe.

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Ich habe Tennis gespielt, war viele Jahre erfolgreich beim Faustball und Fußball und ich bin immer regelmäßig Rad gefahren. Aber die    L e i d e n s c h a f t  –  blieb aus. Dieses Gefühl für etwas alles geben zu wollen und mit ganzen Herzen dabei zu sein. Es unbedingt tuen zu müssen, weil man sich sonst unvollständig fühlt. Es blieb aus.
Danach habe ich mich gesehnt. Das letzte Mal habe ich so etwas empfunden als ich 14 Jahre alt war,  als ein kleiner Groupie. Aber danach habe ich nie wieder für irgendwas eine wirkliche Leidenschaft entwickelt .
Oft habe ich mich gefragt: „Was sind eigentlich meine Hobbys?!“  Die Antwort “ Ich weiß gar nicht genau, shoppen oder so vielleicht!“ hat mich immer traurig gemacht.
Langweilige zu haben, wenn man mal nicht verabredet ist und einfach nicht zu wissen, was man mit sich anfangen soll ist schrecklich frustrierend.

Was ist da der beste Seelentröster und Zeitvertreib zu gleich?!
Genau, das Essen!!  Sinnloses ungesundes Zeug aus Langeweile in mich rein zu schaufeln, das war mein Hobby!

Laufen hat mir eigentlich immer Spaß gemacht und begleitet mich auch irgendwie schon mein Leben lang. In der Schule war ich super im Dauerlauf und Sprinten, während andere sich beim Schulsport bei der Runde um den See in einem Hauseingang versteckten, lief ich vorne mit. Es rieselten immer Ehrenurkunden bei den Bundesjugendspielen. Auch den ein oder anderen Crosslauf, der von der Schule angeboten wurde, habe ich mit Ehrgeiz gemeistert. Mein Papa war sogar Jahre lang Läufer, ich habe mit ihm auch mal die ein oder andere Runde im Wald gedreht. Doch der Funke ist nie übergesprungen. Ich bin ehrlich gesagt auch ziemlich traurig darüber, ich habe meinen Papa nur einmal bei einem Halbmarathon abgefeuert ohne zu verstehen wie viel einem so etwas als Läufer bedeutet. Jetzt wo ich selbst weiß, wie es ist, bin ich wirklich enttäuscht von mir. Jetzt läuft mein Papa aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr, aber er feuert mich an, fiebert mit und ist stolz auf das, was ich schon erreicht habe. Schneller und weiter zu laufen als es ihm seine Laufkarriere erlaubt hat.

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Schweinehund?? Wenn’s ums laufen geht? Kenne ich nicht, wirklich, es ist keine Lüge!
Es ist eher so,   dass  ich den ganzen langen Arbeitstag nur darauf warte laufen gehen zu können. Es gehört zu meinem Leben dazu, es hat den selben Stellenwert wie essen, trinken oder zur Toilette gehen. Ich weiß, dass mir die Zeit beim Laufen unendlich gut tut, – alleine – mit Musik und ich kann einfach an nix denken und – gemeinsam – mit den Mädels, das ist besser als jede Therapie.   Das Gefühl danach ist sowieso  unbezahlbar, es setzt Glückshormone frei, es bringt mir unglaubliche Befriedigung. Es gibt auch Tage, wo man einfach, egal wie sehr man es will, es aus zeitlichen Gründen nicht schafft laufen zu gehen. Da habe ich dann am Morgen schon schlechte Laune!! 😉

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Ich bin die letzten Jahre wirklich viel gelaufen und ich bin so dankbar, dass mein Körper das weitestgehend mitmacht. Mein rechtes Knie ist lädiert, operiert und wird sich sicher immer mal wieder melden. Daher musste ich auch schweren Herzens den Marathon dieses Jahr absagen. Ich muss mich weiter gut um meinen Körper kümmern und auf kleinste Warnzeichen hören.

Ich bin in Paris, Amsterdam, Venedig und  Stockholm bei offiziellen Läufen mitgelaufen aber auch  im Urlaub stehen die Laufschuhe nicht still.    Thailand, Wien, Indonesien, Mallorca, Rügen, egal wo ich bin, ob’s nur ein Wochenende in Thüringen, Hamburg oder Hannover ist, das Laufoutfit landet zuerst im Koffer. Es ist einfach toll eine unbekannte Gegend laufend zu erkunden. Oder in Asien morgens früh eine ganz andere Welt zu entdecken.

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Allerdings ist Laufen nicht für jeden etwas. Es geht hier auch nicht direkt um das Laufen. Ich will euch sagen wie toll es ist eine Leidenschaft für etwas zu entwickeln. Ganz egal welche Leidenschaft man hat. Es ist wichtig, dass man sie hat, dass man sie leben kann und dass sie einen glücklich macht. Ich bin unendlich froh zu dieser Leidenschaft gekommen zu sein und rate euch viel auszuprobieren, auch Dinge bei denen ihr denkt, das könnte euch nicht gefallen. Man weiß nie welche Talente in einem verborgen sind.  Malkurse , Basketball, Tanzen, Fotografie, Handball, Chor, Theater, oder Tischtennis….   man muss nicht mit dem Trend gehen weil Laufen   jetzt so Mode geworden ist, aber ihr könnt es mal ausprobieren!! 😉

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Fotos : Pim Rinkes , Max Menning und Tabea Kautzsch